Betriebsweise

Betriebsweise

Einleitung

An dieser Stelle möchten wir unsere Betriebsweise in groben Zügen vorstellen. Im Wesentlichen lehnt sie sich an die meines Vaters Paul-Heinz Backes an. Weitere Erkenntnisse von Herrn Rolf Heck aus Sinkershausen und insbesondere die aus den Lehrgängen am Bieneninstitut in Kirchhain runden unser Wissen ab. Durch eine intensive Protokollierung des Bienenjahres versuchen wir ständig unsere Betriebsweise zu optimieren.

Wir arbeiten durchgängig im Zander-Flachzargenformat mit der Hohenheimer Einfachbeute (Liebig-Beute). Diese Vorgehensweise vereint den Gewichtsvorteil der Flachzarge mit den Vorteilen der Betriebsweise in einem einheitlichen Maß.

Das Bienenjahr beginnt

… für uns schon im Januar. In der Herbst- und Winterzeit wird jedes unserer Völker zum Monatsanfang gewogen. Aus den ermittelten Werten berechnen wir die seit der Einfütterung verbrauchte Futtermenge und den verbleibenden Futtervorrat. Anhand dieser Werte können wir bereits einige wichtige Erkenntnisse ableiten ohne die Völker in ihrer Winterruhe zu stören:

  • Volksstärke
  • Bruttätigkeit
  • Gesundheitszustand
  • Bedarf der Zufütterung bis zur ersten Tracht
  • Einfütterungsmenge für die kommende Saison

Die ersten Arbeiten

… erfolgen schon im März. Auch wenn die Temperaturen noch im Minusbereich liegen, so bereitet sich der Bien bereits auf das Frühjahr vor. Von der Eiablage bis zum ersten Ausflug vergehen immerhin ca. sechs Wochen. Und in den ersten Tagen im April ist bei uns mit einer ersten recht ergiebigen Kirschblütentracht zu rechnen. In unmittelbarer Umgebung haben wir zahlreiche Wildkirschen stehen. Ein herrliches Bild zu Beginn des Frühlings.

Damit die Mannschaft dafür rechtzeitig aufgestockt werden kann gehen die Völker recht früh im Jahr in Brut, die Stocktemperatur steigt auf über 30 °C an. Nun legen wir die Bodenschieber ein um die Völker bei der Regulierung des Wärmehaushaltes zu unterstützen. Völker mit wenig Futter erhalten zusätzlichen Futterteig.

Sobald die Außentemperaturen über 10 °C ansteigen ist mit dem ersten Reinigungsflug zu rechen. Die Bienchen müssen ihre Kotblase endlich entleeren. Dafür kontrollieren wir vorsichtig ob das Flugloch frei ist. Insbesondere so früh im Jahr gilt aber noch die Devise: So wenig wie möglich stören.

Mit der Kirschblüte geht's richtig los

Anfang April ist mit der Kirschblüte zu rechnen, die Temperaturen steigen deutlich an. Bei guter Wetterprognose entnehmen wir Anfang/Mitte April die unterste Zarge mit den ältesten Waben, entfernen dabei den Winterfall, den Bodenschieber und den Fluglochkeil, setzen den ersten Honigraum auf und geben den ersten Drohnenrahmen. Ist mit kontinuierlichem Nektareintrag zu rechnen, wird zudem überschüssiges Winterfutter entnommen. Es verbleiben grundsätzlich die Randwaben als gut gefüllte Futterwaben im Volk.

Mitte/Ende April bilden wir die ersten Ableger durch Schröpfen der starken Wirtschaftsvölker. Dadurch wird einerseits der Schwarmtrieb frühzeitig vermindert und andererseits durch gezielte Auswahl der Königinnen der Völkerbestand mit sanftmütigen, gesunden und leistungsstarken Völkern sukzessiv erneuert. Die entnommenen Waben werden unter anderem durch den zweiten Drohenrahmen ersetzt.

Bei sehr guter Nektarversorgung muss bereits jetzt darauf geachtet werden, dass das Brutnest nicht verhonigt. Dies kann die Volksentwicklung negativ beeinflussen aber auch frühzeitig den Schwarmtrieb auslösen.

Wonnemonat Mai

Die Apfelblüte ist aufgegangen, der Raps zeigt sein herrlich leuchtendes Gelb. Der Frühling hat nun endgültig Einzug gehalten.

In dieser Zeit ist der Vermehrungsdrang der Bienen am deutlichsten ausgeprägt. Diese Zeit nutzen wir insbesondere für die Ablegerbildung. Dazu ziehen wir gezielt Ableger von unseren besten Völkern entsprechend den Kriterien Volkstärke, Gesundheit, Honigertag, Sanftmut, Schwarmneigung und Farbgebung. Die Ableger sind die Wirtschaftsvölker des nächsten Jahres. Eine ständige Erneuerung der Völker ist daher unerlässlich.

Eine weitere wesentliche Tätigkeit im Mai ist die Schwarmkontrolle. Jedes Wochenende prüfen wir, ob ein Volk in Schwarmstimmung gekommen ist. Sodann bilden wir einen Zwischenbodenableger als Maßnahme zur Schwarmverhinderung.

Als Maßnahme gegen die Varroamilbe wird wöchentlich der Drohnenrahmen kontrolliert und – falls verdeckelt – abwechselnd der rechte und linke herausgenommen.

Die erste Honigernte Anfang Juni

Wenn die Völker gut geführt wurden und das Wetter mitgespielt hat, steht die erste Honigernte an. Der genaue Erntezeitpunkt (Tag und Tageszeit) hängt vom zurückliegenden und zu erwartendem Wetter und vom Wassergehalt des Honigs ab, welchen wir mit einem Refraktometer bestimmen. Ziel ist ein Honig mit möglichst geringem Wassergehalt zu ernten damit er lange haltbar ist. Zudem darf durch die Honigentnahme das Volk nicht unter Futtermangel leiden.

Unser Standort schenkt uns Honig mit einem von Jahr zu Jahr mehr oder weniger hohen Rapsanteil. Die Bewirtschaftung der vielen kleinen landwirtschaftlichen Flächen entsprechend der Fruchtfolge führt dazu, dass wir jedes Jahr umgeben sind von bis zu 20 kleinen Rapsfeldern.

Aber auch zahlreiche Wildkirschen an den Wegesrändern gelegen, Obstbäume in den Obstwiesen und Wegesrändern und der Löwenzahn in großen, gelb blühenden Wiesen geben ihre Würze dazu.

Nach der Ernte werden die Honigräume wieder aufgesetzt.

Der Schwarmtrieb lässt allmählich nach. Die letzten Drohenrahmen werden entnommen.

Die zweite Honigernte Anfang Juli

Nun ernten wir unseren Sommerhonig, welcher von unseren Bienchen im Juni gesammelt wurde. Es ist ein Wald- und Blütenhonig. Honigtau, Waldbeeren, Wiesenblumen und -kräuter sind die wesentlichen Bestandteile.

Unmittelbar nach der Ernte werden die Völker wieder vollständig aufgefüttert. Der Eingriff der Honigernte soll in möglichst kurzer Zeit wieder ausgeglichen werden.

Um unsere Völker gesund zu halten wenden wir nun als wesentlichste Maßnahme gegen die Varroamilbe ein biotechnisches Verfahren an, die totale Brutentnahme (TBE). Zu dieser Jahreszeit befinden sich ca. 80% der Milben in der Brut. Diesen Umstand machen wir uns zunutze und entnehmen den Völkern ihre Brut. Anschließend behandeln wir sie in diesem brutlosen Zustand einmalig mit vergleichsweise milder Milchsäure. Diesen Eingriff gleicht das Volk wieder schnell aus. Es hat nun eine gesunde Basis zur Aufzucht der Winterbienen, welche das Volk durch Herbst, Winter und bis in den Frühling bringen müssen. Um möglichst wenig Brut entnehmen zu müssen, wird die Bruttätigkeit der Königin im Vorfeld auf eine Wabe (Bannwabe) oder eine Zarge eingeschränkt.

Das Bienenjahr, das Jahr aus Sicht der Bienchen, neigt sich nun dem Ende zu. Die Vermehrung ist abgeschlossen und das Futter für den Winter ist eingeholt.

Spätsommer

Ende August / Anfang September können noch Arbeiten und Korrekturen an den Völkern durchgeführt werden. Daher kontrollieren wir unsere Völker noch einmal, die Gewichte werden notiert und die Bodenschieber zur Varroakontrolle eingelegt. Hat ein Volk zu wenig Futter wird noch einmal nachgefüttert. Ist der Varroabefall eines Volkes vergleichsweise hoch, wird dieses Volk einer zusätzlichen Varroabehandlung unterzogen.

Herbst

Die Fluglöcher werden eingeengt, die Bodenschieber entnommen (falls sie eingelegt waren), die Arbeiten neigen sich nun dem Ende zu.

Die Protokolle zur Völkerführung werden noch einmal intensiv studiert um zu notieren, welche Völker hinsichtlich der Zuchtkriterien sehr gut abgeschnitten haben und welche eher unter dem Durchschnitt lagen. Damit legen wir fest, welche Völker wir im nächsten Jahr auf jeden Fall behalten möchten und welche verkauft werden.

Sollte es Ende Oktober / Anfang November noch einmal sehr warm werden, so wird geprüft ob die Völker bereits in einem brutfreien Zustand sind. Ist dies der Fall, so wird dieser Umstand genutzt und die Winterbehandlung gegen die Varroamilbe vorgezogen. Die Völker behandeln wir nun  mit Milchsäure und ersparen uns die Winterbehandlung im Dezember mit Oxalsäure.

Zum Abschluss danken wir den Bienchen für das, was sie für uns getan haben und wünschen ihnen eine gute Überwinterung 🙂